17.04.2019

Wie die Dänen den Herausforderungen der Pflege begegnen

Worin unterscheidet sich das dänische vom  deutschen Pflegesystem

1. Dänemark setzt auf Prävention und Erhaltung der Selbstständigkeit. In Deutschland  setzen Hilfsangebote erst an, wenn bereits Pflegeabhängigkeit besteht.
Beispiel Medikamente: Es ist allgemein bekannt, dass falsche, zuviele oder nicht  eingenomme Medikamente,  zu gefährlichen Situationen führen, mit nicht selten bleibenden Beeinträchtigungen.  Verwirrtheit und andere Demenzanzeichen sind oft durch Fehlmedikation  verursacht.  Die Zahl der Betroffenen ließe sich also alleine dadurch  senken, in dem  Medikamenteneinnahme und Wirkung  kontrolliert werden. Wie im Filmbeitrag zu sehen, besucht eine Pflegerin die alte (noch nicht pflegebedürftige) Dame,  um sie bei der  anordnungsgemäßen Medikamenteneinnahme zu unterstützen. Bei ihren Besuchen kann sie gleichzeitig feststellen, wie es der Dame geht und ihr bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite stehen.

2. Dänemark setzt den Grundsatz „ambulant vor stationär“  umIn Deutschland sind die Weichen umgekehrt gestellt. 
Während in Dänemark die Kommunen dafür sorgen,  dass die Bürger in ihren Häusern/Wohnungen die nötige Unterstützung erhalten, muss in Deutschland jeder selbst sehen wo er Hilfe her bekommt.  Zwar stehen Betroffenen hierzulande seit 2017 mehr Leistungen im ambulanten Bereich zu, jedoch müssen diese erst einmal aufwändig beantragt werden.  Vielerorts stehen die Leistungen, deren Kosten die Kassen neuerdings übernehmen müssten, gar nicht zur Verfügung.  Oder die Qualität ist so schlecht, dass nach kurzer Zeit darauf wieder verzichtet wird.  So nehmen beispielsweise die Beschwerden über Tagespflegeplätze zu, in denen Hilfebedürftige mit anderen Hilfebedürfigen lediglich herumsitzen, bis sie wieder abgeholt werden.  Der pflegebedürftige Deutsche  muss ins Heim, wenn er keinen Angehörigen hat, der ihn pflegt und er die notwendige häusliche Unterstützung aus privaten Mitteln nicht aufbringen können.  Kann ein Deutscher die Kosten (Privatanteil) für das Heim aus eigenen Mitteln nicht aufbringen, werden diese von der Sozialkasse  (Kommune) übernommen. Viele könnten zu Hause bleiben, stünde ihnen dort das gleiche Geld zur Verfügung, wie es bei Heimunterbringung von der Kasse und Kommune zur Verfügung gestellt wird.  Deutschland setzt auf die Nächstenliebe von Angehörigen und auf eine überwiegend illegale  24-Stunden-Pflegehilfe aus Osteuropa.

3. Dänemark  orientiert sich am tatsächlichen Pflegebedarf.  In Deutschland werden Leistungen an  Pflegegraden  bemessen.
Pflege ist in Dänemark steuerfinanziert.  Ein gewisser Prozentsatz der Steuereinnahmen wird  für die Pflege eingesetzt.  Da die Sicherstellung der Pflege im Wesentlichen Aufgabe der Kommunen ist, entscheiden diese, wie sie die Mittel verwenden.  Gemäß der Erkenntnis, dass  jeder Pflegefall der verhindert wird, auch ein finanzieller Gewinn ist,  erhalten betagte Bürger*innen  frühzeitig eine individuell auf ihren Bedarf abgestimmte Unterstützung.  Bei dem einen reicht es, wenn wöchentlich jemand vorbeischaut,  bei jemand anderem erscheint eine tägliche Unterstützung notwendig.  Ob Hausarbeiten,  Spaziergänge, gemeinsame Einkäufe, Begleitung zu Behörden, der Bank oder Arztterminen, es muss nicht erst ein Antrag gestellt und geschaut werden, wer die Hilfe bezahlt und wo es passende Anbieter gibt.   Die ambulante Hilfe in Dänemark wird nicht nach Einzelleistungstabelle abgerechnet, sondern nach Stunden. Fällt beispielsweise nach einer Krankenhausentlassung  zunächst  ein  täglicher Hilfebedarf von 6 Stunden und mehr an, muss dort nicht eine stationäre Kurzzeitpflege beantragt werden und die Bescheinigung eines Pflegegrades durch den MDK, wie  in Deutschland.   Pflegebedürftige und Angehörige müssen auch nicht wie in Deutschland befürchten, dass sie mit dem Geld nicht mehr hinkommen, wenn sich der Zustand verbessert und statt des Pflegegrad 4 nur noch -grad 2, festgestellt wird.   Das deutsche System fördert Pflegebedürftigkeit,  indem es finanzielle Anreiz in die falsche Richtung setzt.  Wenn der Pflegebedürftige  bedürftiger wird, gibt es mehr Geld. Für Vermeidung und Verminderung von Pflege  zahlen Kassen nichts bzw. weniger.

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